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Archiv für den Monat April 2011

Das Geschäft mit öffentlichen Kulturgütern, oder: das Bild vom Bild

Heute bin ich über einen interessanten Artikel aus der Zeit gestolpert, sein Titel: „Wem gehört die Mona Lisa?“. Der Artikel ist von 2004, also nicht gerade taufrisch, trotzdem hat er einen interessanten Punkt aufgeworfen, der mir vorher noch nicht präsent war.

Jeder der sich schon einmal mit dem Urheberrecht auseinander gesetzt hat, wird gelesen haben, dass sein Schutz 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers erlischt. Normalerweise sollte man jetzt davon ausgehen, dass Leonardo da Vinci lange genug tot ist, damit seine Werke Public Domain (gemeinfrei) werden. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Gemälde und anderen Kunstgegenstände jetzt keinen Eigentümer mehr haben, sondern nur, dass z.B. Photographien, die davon gemacht wurden, zur Veröffentlichung und/oder Bearbeitung nicht mehr der Zustimmung durch den zuständigen Rechteinhaber bedürfen. Die Bilder können also beliebig vervielfältigt und editiert werden! Sie dürfen also nicht nur als Originalwerk, oder als drei Meter hohe Reproduktion für die Hauswand, sondern auch für Werbung oder als Teil eines eigenen Werks benutzt werden. Das eigene Werk besitzt dann übrigens wieder (bei erreichter Schöpfungshöhe) einen eigenen Urheberrechtsanspruch, der sehr niedrig liegt (es dürfte schon reichen der Dame, die vermutlich aus Florenz stammt, Schnurrbart und Monokel aufzukritzeln).

Es wird allerdings noch wesentlich komplizierter, wenn man ins Detail geht, denn es wird zwischen verschiedenen Typen (aufgezeichnete Musik, Gemälde, usw.) unterschieden und einige Dinge (z.B. manche Logos) besitzen dann doch wieder nicht die nötige Schöpfungshöhe, weil sie als Geschmacksmuster geschützt werden können, was aber eine Eintragung benötigt.

Jemand wie Bill Gates wird jetzt natürlich nicht Millionen für das Recht ausgeben Kopien der Mona Lisa verkaufen zu können, wenn das Gesetz vorsieht, dass dies jeder einfach darf. Hier macht man sich zur Hilfe, dass Photographien wieder ein eigenes Urheberrecht besitzen. Das heißt, wenn ich ein Bild von einem Bild mache, ist dieses wieder ein neues, urheberrechtlich geschütztes Werk.

Das Urheberrecht sieht zu Photographien zwei verschiedene Formen vor: das Lichtbild und das Lichtbildwerk. Grob kann man sagen: alle täglichen Photographien sind Lichtbildwerke und besitzen damit den längeren Schutz bis 70 Jahre nach dem Tod des Photographen. Ein Lichtbild erreicht dagegen die oben erwähnte Schöpfungshöhe nicht und ist nur bis 50 Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung geschützt. Das kann man auch für Reproduktionsfotografien annehmen, die ein anderes Werk nur möglichst detailgetreu wiedergeben sollen (und selbst darüber kann man sich noch streiten, zumindest wenn man für weitere Jahrzehnte damit Geld verdienen könnte …).

Damit ist die (digitale) Kopie eines gemeinfreien Werkes wieder geschützt. Wenn man nun in einem Museum keine Kameras zulässt, oder eine ordentliche Photographie durch dicke Glaswände unmöglich macht, besitzt derjenige mit der digitalen Kopie die einzige Bezugsquelle und schafft sich damit das von ihm benötigte Recht quasi selbst!

Wenn dagegen jemand ein gutes Photo der Mona Lisa macht und dieses freundlicherweise als gemeinfreies Werk ins Internet stellt, kann jeder diese Photographie benutzen, bearbeiten und veröffentlichen! Und dann ist die Millionen teure Kopie keinen Taler mehr wert! Umso wichtiger diese möglichst gut zu „schützen“.

Besonders fraglich ist es, wenn durch öffentliche Gelder finanzierte Museen aus ihrem Kulturgut Kapital schlagen, oder, wie es im Zeitungsartikel erwähnt ist, die wissenschaftliche Forschung behindern oder deren Kosten in die Höhe treiben.

Interessant ist es an dieser Stelle noch auf Musikaufnahmen und die GEMA zu verweisen. Stücke von Beethoven sind natürlich mittlerweile nicht mehr durch das Urheberrecht geschützt. Eine Aufführung bedarf deswegen auch nicht der Zustimmung der GEMA und verursacht so auch keine Aufführungskosten. Aber: eine Aufzeichnung der aufgeführten Stücke ist wieder geschützt!

Der Schutz von Aufzeichnungen gemeinfreier Stücke erlischt mit dem Tod des letzten (künstlerisch) daran Beteiligten, frühestens jedoch 50 Jahre nach der Darbietung/Veröffentlichung. Bei einem Symphonieorchester kann das schon einmal eine Weile dauern …

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Verfasst von - 26. April 2011 in Musik, Photographie

 

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Story vs. Atmosphere

Durch das breite Angebot an angelsächsischen Film- und TV-Formate, die hierzulande gerne konsumiert werden, haben sich deren Konventionen natürlich auch bei uns als Sehgewohnheiten etabliert.

Eine dieser Konventionen gibt vor, dass jede Szene und jede Handlung der äußeren Handlung dienen muss. Wenn also jemand in Aktion gerät (etwas sagt, sich bewegt, oder auch nur jemanden ansieht), soll dies etwas für die Geschichte (Story) relevantes ausdrücken. Was hier also nicht beinhaltet wäre, sind scheinbar unzusammenhängende Sequenzen über die Landschaft vor der Tür, oder Bilder von allerlei Alltagshandlungen, die nicht explizit die spezielle Situation oder eine Veränderung zeigen.

Die Frage ist nun natürlich: muss dies so sein? Sollte man dieser Konvention folgen?

Ein Film der mich zu dieser Frage bewegt hat, ist zum Beispiel „die letzten Glühwürmchen“, aus dem Jahr 1988. Ein japanischer Animationsfilm (mit dem Originaltitel „Hotaru no haka“, falls es jemanden interessiert), der die verzweifelte Situation eines Jungen und seiner kleinen Schwester in den Endmonaten des zweiten Weltkrieges in Japan beschreibt. Die Handlung ist sehr einfach, was diesen Film so eindrücklich und nachhaltig macht, ist die geschilderte Atmosphäre. Die Geschichte (Story) tritt zurück und lässt der einfachen Beschreibung der Situation Raum. Wie kann man mit Bildern und Situationen ausdrücken, dass man aufgegeben wird, dass man Hoffnung schaffen will, dass man verhungert?

Intermittierend gibt es Bildsequenzen der Umgebung (z.B. der Dinge, die vor der Behausung liegen), diese dienen nicht einer äußeren Handlung, sondern der Atmosphäre, dem Verständnis der Situation. Manchmal sind sind sie sogar nur in der direkten Folge zu deuten und ergeben eine fast subliminale Bedeutung.

Es geht mir hier nicht um die Frage der extrinsischen vs. intrinsischen Handlungen (hier gibt es in der deutschen Nachkriegsliteratur natürlich viele Beispiele, die die inneren Motivationen und Hindernisse hervorheben), sondern um die Frage, ob solche Momente in Büchern oder Filmen wirklich als aufhaltend und störend wahrgenommen werden.

Wenn es um eine Verfolgungsjagd in einer Großstadt geht, möchte man als Zuschauer natürlich nicht der unbeteiligten Dame an der Ecke für ein paar Minuten folgen, wie sie sich verdaddert auf eine Parkbank setzt, sondern bei der Aktion bleiben, ohne herausreißende Unterbrechung.

Aber ich persönlich sehe immer sehr gerne, in welcher Umgebung oder Situation sich jemand gerade befindet. Natürlich gerade dann, wenn mir diese Umgebung nicht bekannt ist. Nicht nur in Fantasy-Ländereien können wir so erleben, was auf einem Jahrmarkt so alles hinter verwunschenen Spiegeln lauert, oder warum eine Zeitschriften-Ausgabe mit fehlgedrucktem Zauberspruch bei Sammlern so begehrt ist, sondern auch in der realen Welt gibt es so viele Dinge, die wir nicht wirklich kennen. Oft wird uns gezeigt wie es „ist“ ein Polizist oder Arzt zu sein, aber wie sieht es in einem ungarischen Stahlwerk aus? Oder in einer Großfamilie in Thailand? Der Alltag der meisten Menschen ist uns doch ehrlich gesagt ziemlich unbekannt, hier könnte man genauso gut die viel zitierten Hartz-IV-Empfänger anführen, die im deutschen Fernsehalltag als Pfandsammler ihr Dasein fristen.

Was bleibt? Mut den Geschichten Würze zu verleihen, indem man den Alltag, die Umgebung und die Atmosphäre beschreibt. Hier gibt es unglaublich viel Potential, um die Menschen in Situationen hineinzuversetzen, von denen sie träumen können und weit über die eine Geschichte hinaus bestehen bleiben.

 

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Die subjektive Empfindung verschiedener Begriffe für Magiebegabte

Es gibt eine Vielzahl verschiedener Begriffe für Magiebegabte, unter einer Aufzählung würde man zumindest den Zauberer und Magier vermuten. Dann gibt es noch den Hexer, Magus, Mager, Druide, Zauberweber, Arkanist, Nekromant, Beschwörer und eventuell Schamane und Zauberkünstler.

Die Begriffe finden sich nicht nur in der gegenwärtigen Fantasyliteratur wieder, sondern sind natürlich älteren Ursprungs. Aber welche Dinge bringt man denn nun mit diesen Begriffen in Verbindung?

Hat ein Zauberer eine weite Robe und einen spitzen Hut? Ist ein Magier, im Gegensatz zu seinem Zauberer-Kollegen, eher nicht an einer Universität ausgebildet worden und trägt eher weite Hosen?

Ein Hexer, als Gegenstück zur Hexe, scheint wilder zu sein, nicht so sehr an eine Gilde oder Gemeinschaft gebunden. Die anderen Begriffe haben zum Teil festere Konventionen, Druiden werden als naturverbunden beschrieben, wo sie meistens mit Sicheln bewaffnet Zaubertränke brauen und auf Mond und Natur aufpassen. Beschwörer rufen Wesen herbei, Nekromanten dagegen haben sich auf die „schwarze Magie“ verständigt und beschwören eher die Toten wieder herauf.

Gerade durch weitläufig bekannte Bücher und Filme haben sich zwangsläufig Stereotypen herauskristallisiert. Herr der Ringe und Harry Potter gehören sicherlich zum Pantheon ihrer Zunft, zumindest was ihre Verbreitung angeht. Mit dem nächsten großen Buch über Magiebegabte werden sich die unausgesprochenen Stereotypen sicherlich wieder verändern. Aber wie ist der Status quo?

Wer nur einen „Typ“ Magier in seinem Buch hat, kann die Begriffe natürlich durcheinanderwürfeln, oder sich für einen entscheiden, aber wie sieht es aus, wenn man zwischen verschiedenen Typen unterschieden möchte? Und es geht hierbei nicht um irgendwelche Rassen, wie z.B. Elben im Tolkienschen Sinne, sondern um Personen die sich unterschiedlich anziehen, anderen sozialen Gruppen angehören, andere Rituale haben, aber essentiell die selben „Kräfte“ nutzen. Ist hier eine Begriffseinteilung sinnvoll? Also einmal von Magiern und einmal von Zauberern zu sprechen.

Deswegen an dieser Stelle die offene Frage: was stellt man sich unter den jeweiligen Begriffen vor? Was ist die erste Assoziation, wenn man an „Zauberer“ oder „Magier“ denkt?

PS: Interessant wäre es auch an anderer Stelle auf die englischen Begriffe (wie z.B. sorcerer, wizard, warlock, mage, magician) einzugehen und Verknüpfungen zwischen den deutschen und englischen Wörtern zu ziehen, die subjektiv-inhaltlich begründet sind.

 

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Polythematische Blogs

Macht es Sinn einen Blog zu erstellen, der sich mit einer Vielzahl von Themen beschäftigt? Wäre man besser daran in mehreren Blogs simultan zu schreiben, damit potentielle Leser nur den Teil lesen „müssen“, der sie wirklich interessiert, oder zerstreut man seine Leserschaft und würde besser versuchen sie auf einen Blog zu vereinen?

Dazu würden mich tatsächlich mal ein paar Meinungen interessieren, gerade von denjenigen, die diese Entscheidung schon getroffen haben.

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 20. April 2011 in Introspektion